Kortison: Was ist das?

Der Name Kortison (oder Cortison) kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Rinde“. Die Bezeichnung wurde für den ersten in der Nebennierenrinde des Menschen gefundenen Wirkstoff vergeben. Dabei handelt es sich um eine inaktive Form des Glucocorticoids Cortisol.

Glukokortikoide gehören zu den Kortikoiden, einer Klasse von Steroid-Hormonen. Ihre wichtigsten Vertreter sind übrigens neben Kortison auch Kortisol und Kortikosteron. Glucocorticoid-Präparate, wie etwa Kortison, haben grundsätzlich eine entzündungshemmende Wirkung. Zur Therapie – z. B. bei allergischem Schnupfen oder auch bei Asthma bronchiale – sind sie ideal. In besonders akuten Notfällen wie Anaphylaxie, Sepsis oder Schock werden hochwirksame Varianten verwendet. Andere Präparate können topisch (also örtlich) eingesetzt werden, z. B. auf der Haut oder in der Nase. Heute sind zahlreiche topische Steroide verfügbar, wie z. B. Budesonid oder Fluticasonpropionat.

Grundsätzlich ist Cortisol ein Stresshormon, das beispielsweise auch beim Sport ausgeschüttet wird und den Neuaufbau von Protein bremst. Konkret wird sogar Protein abgebaut und die Aminosäureaufnahme in der Muskulatur geht zurück. Gerade Bodybuilder und Kraftsportler benötigen deshalb eine Lösung für das Cortisol-Problem, da sonst der Muskelaufbau nicht optimal möglich ist. Darüber hinaus wirkt Cortisol entzündungshemmend, bei einem geringen Spiegel des Hormons kommt es zu diesbezüglichen Problemen. Die Lipolyse und damit die Energiegewinnung aus der Fettverbrennung wird dagegen unterstützt. Wer kräftig trainiert, benötigt unbedingt Protein. Der Cortisolspiegel hängt stark vom Blutzucker und der damit verbundenen Insulinkonzentration im Körper ab, was auch einen Einfluss auf die Wirkung des Hormons hat. Bei einem hohen Gehalt an Blutzucker befindet sich mehr Cortisol im Blut als bei einem niedrigen.

Kortison selbst bindet weder an den Glucocorticoid-Rezeptor noch an den Mineralcorticoid-Rezeptor und kann durch das Enzym β-Hydroxy-Steroid-Dehydrogenase aus Cortisol gebildet oder in dieses umgewandelt werden. Umgangssprachlich bezeichnet man Medikamente mit Cortisolwirkung in der Regel als „Kortison“.

Die Geschichte des Kortisons

Der Wirkstoff Cortison wurde zwischen 1936 und 1940 von verschiedenen Forschern isoliert und erhielt zunächst verschiedene Namen: „compound F“ hieß es bei Wintersteiner, „Substanz Fa“ bei Reichstein und „compound E“ bei einer Arbeitsgruppe rund um Kendall. 1937/38 stellte Reichstein das spätere Cortisol oder Hydrocortison her. Im Lauf der Zeit wurde herausgefunden, dass Cortison eine Vorstufe des eigentlichen Hormons Cortisol (Hydrocortison) ist. Dieses wird in der sog. Zona fasciculata der Nebennierenrinde gebildet. In der anfänglichen Verwendung kamen noch direkt aus der Nebennierenrinde entnommene Extrakte zu Einsatz, in den 50er Jahren war es dann möglich, diese synthetisch herzustellen. Gerade bei Rheuma brachten die innerlich angewendeten Medikamente eine enorme Erleichterung. Bei Hautproblemen wie der Schuppenflechte oder Exzemen ist Kortison als Allheilmittel im Einsatz. Viele Dermatologen sprechen von dessen Entdeckung als Meilenstein in der Forschung und vergleichen es mit Penicillin. Gerade die angenehmen Eigenschaften machen es auch in der Anwendung beliebt. Früher musste man bei der Behandlung von Hautkrankheiten noch auf brennende oder riechende Substanzen zurückgreifen, die noch dazu oft relativ wenig Wirkung erzielten. Allerdings verfügte Kortison in der Anfangsphase über etliche unangenehme Nebenwirkungen, die heute noch für ein ungutes Image des Medikaments sorgen, obwohl hier schon lange keine Probleme mehr auftauchen, sofern die Anwendung fachgerecht erfolgt. Durch Kortisoneinwirkung geschädigte und verdünnte Hautteile (Atrophie) traten viel zu oft auf.

Gerade in den letzten Jahren hat sich einiges beim Thema Kortison getan, diese Verbesserungen wurden jedoch von der Öffentlichkeit zu wenig wahrgenommen. Forscher arbeiteten weltweit an einer Veränderung der Molekülstruktur, weshalb in den 90ern die sog. „4. Generation“ für eine äußerliche Behandlung präsentiert werden konnte. Somit kann man heute für jede mit Kortison behandelbare Hautkrankheit die perfekte Medizin auswählen.